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Brauerei Neumarkter Lammsbräu

Nachhaltigkeit beginnt in der Region. Mit fairen Preisen für Hopfen, Gerste und Weizen sichert Neumarkter Lammsbräu-Chef Franz Ehrnsperger die Arbeitsplätze in der heimischen, oberpfälzischen Landwirtschaft.

Herr Ehrnsperger, welches Ziel verfolgt Ihre Aktion „Fair zum Bauern“?
Wir wollen dem Kunden damit die Folgen seiner Kaufentscheidung vermitteln. Wir setzen seit fast 30 Jahren auf biologische Landwirtschaft und zahlen durch einen regionalen Rohstoffeinkauf mehr als 500 000 Euro zusätzliches Einkommen an die Biolandwirtschaft. Damit sichert Lammsbräu fast fünf Mal mehr bäuerliche Arbeitsplätze als vergleichbare konventionelle Brauereien.


Wie unterstützen Sie die Landwirtschaft konkret?
Der Kauf eines Kastens Lammsbräu-Bieres schützt umgerechnet sieben Quadratmeter Ackerfläche und Trinkwasser durch den Verzicht auf Kunstdünger und Pestizide in der ökologischen Landwirtschaft. Da die Biolandwirte von der Neumarkter Lammsbräu für das Getreide etwa den dreifachen Preis erhalten, den ihre konventionellen Kollegen erzielen, wird der geringere Ertrag im Bioanbau vollständig ausgeglichen. Umgerechnet gehen von jeder 20er Kiste Lammsbräu über 1 Euro extra an die Vertragslandwirte der Lammsbräu.


Welche Bedeutung hat die regionale Einbindung für Sie?
Unsere Aufgabe ist es, mit gutem Beispiel voranzugehen. Damit ziehen wir andere mit und können dem Verbraucher bei jedem Einkauf eine Alternative bieten. Bio und Region gehören zusammen. Sie schaffen Arbeitsplätze. Der Einkaufszettel ist heute wichtiger als der Stimmzettel bei der Wahl, denn mit der täglichen Einkaufsentscheidung wird festgelegt, ob unsere Gesellschaft gerecht bezahlte Landwirte hat oder nicht.



Die oberpfälzische Öko-Brauerei Neumarkter Lammsbräu gilt als Pionier in Sachen Nachhaltigkeit. Vor dreißig Jahren noch als Spinner bezeichnet, ließ sich Inhaber Dr. Franz Ehrnsperger nie von seinem Ziel abbringen: Bierbrauen nach den Regeln der Natur.

Die Suche nach den besten Rohstoffqualitäten führte den Chef von Neumarkter Lammsbräu zum Ökolandbau. „Wenn man sich einmal mit den ökologischen Grundsätzen auseinander gesetzt hat, kommt man nie mehr davon los“, gesteht Franz Ehrnsperger. Anfang der Achtziger Jahre richtete der Diplombraumeister und promovierte Betriebswirt daher sein Unternehmen ganzheitlich neu aus. In der Anfangsphase musste der Pionier jedoch zunächst die bayerischen Bauern von den Vorteilen der ökologischen Landwirtschaft überzeugen. Ein idealer Auftrag für jemanden, der mit Vorliebe „dicke Bretter bohrt“. Die nachhaltige Überzeugungsarbeit der Landwirte gelang und der Querdenker konnte in Neumarkt das erste Bio-Bier brauen.

Bei dem Vorhaben half dem bodenständigen Braumeister seine enge Verwurzelung mit der Region und dem Produkt. Franz Ehrnsperger ist kein Mensch, der seinen Geschmack und seine Werte nach der neuesten Mode ausrichtet. Er setzt auf bewährte Qualität und Tradition - eigentlich gar nicht so untypisch für den Landstrich. Doch gerade seine konservativen Wertvorstellungen sorgten in ihrer konsequenten Umsetzung für erheblichen Wirbel in der Brauerzunft.

Der Traditionalist verbannte alle Convenienceprodukte der modernen Brauereiwirtschaft und kehrte zum bewährten alten Brauhandwerk zurück. So verzichtet die Brauerei auf Hopfenextrakt und Stabilisatoren sowie auf die Schwefelung von Malz zur Farbaufhellung. Im alkoholischen Gärprozess sind Beschleuniger tabu und die notwendige Hefe wird selbst gezüchtet. Eine weitere Besonderheit ist die hauseigene Mälzerei, die in der heutige Braulandschaft eine Seltenheit darstellt. „Für mich ist eine große Malzfabrik mit einem Bioanteil von ein bis zwei Prozent unglaubwürdig. Schüttgut ist einfach immer problematisch. Nur mit einer eigenen Mälzerei können wir garantieren, dass Öko-Braugetreide sortenrein vermälzt wird“, begründet Ehrnsperger seine Entscheidung für die kostenintensivere Eigenlösung.

Lammsbräu richtet die gesamte Produktion konsequent nach ökologischen Kriterien aus. „Als wir im Jahr 1978 die erste Solaranlage montierten, haben mich alle noch für verrückt erklärt“, blickt Ehrnsperger zurück. Doch der Perfektionist optimiert die Prozessabläufe kontinuierlich unter dem Nachhaltigkeitsaspekt weiter. Manchmal dauert es Jahre, bis in die entsprechende Rubrik seiner Ökobilanz „Ziel erreicht“ eingetragen werden kann. „Wir bemühen uns den Brauprozess nach den Regeln der Natur im Gleichgewicht zu halten. Unser Dilemma war und ist jedoch auch heute noch, dass sich nur wenige wirklich für die komplexen Zusammenhänge interessieren", bedauert der bayerische Brau-Revoluzzer. Der Kraftakt bedeutet für die mittelständische Ökobrauerei eine fast zwanzig Jahre dauernde Durststrecke.

Mit einem langen Atem, Standfestigkeit und einem Wertefundament, das nicht nur auf finanziellen Größen beruhe, verfolgt der Ökobrauer seine Nachhaltigkeit-Strategie und setzt damit in der Brauereibranche ein Zeichen. Neumarkter Lammsbräu ist mittlerweile die meistgetrunkene Biobiermarke Deutschlands- vermutlich sogar der Welt. Heute produzieren 80 Mitarbeiter rund 60.000 hl Öko-Bier pro Jahr, Mineralwasser sowie eine breite Palette von Öko-Fruchtsaftgetränken. Die Rohstoffe stammen aus kontrolliert biologischem Anbau aus der Region. Rund um Neumarkt/Oberpfalz werden dadurch 4 000 Hektar ökologisch bewirtschaftet.

Während die eigene Branche anfangs ausgesprochen zurückhaltend auf die neuen Brau-Ideen reagiert, wird Ehrnsperger von der Wissenschaft mit Auszeichnungen regelrecht überschüttet. Am bekanntesten ist die Auszeichnung „Öko-Manager des Jahres“, die von der Umweltstiftung WWF und dem Wirtschaftmagazin Capital verliehen wird. So zählt der Lammsbräu-Chef im Jahr 1990 zu den ersten preisgekrönten Unternehmern. In den Folgejahren heimsen seine Umweltberichte nahezu alle existierenden Auszeichnungen ein. So wird bereits seit 1997 eine Umweltrechnung erstellt, in der die eingesparten externen Kosten aufgelistet werden. Nicht zuletzt wegen der monetären Bewertung der Umweltbe- und -entlastungen wird die Aufstellung als bester europäischen Umweltbericht ausgezeichnet. Im Jahr 2001 bekam Erhnsperger Deutschlands bedeutendste Umweltauszeichnung, den Deutschen Umweltpreis. Zudem hat Lammsbräu als bisher einziges deutsches Unternehmen den European Sustainability Reporting Award (ESRA) erhalten.