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Taifun

Taifun engagiert sich für Genfreiheit
Der Anbau von Sojabohnen gilt als Einfallstor für die Verbreitung von gentechnisch veränderten Organismen (GVOs). Der Freiburger Tofuhersteller Taifun macht auf die Gefahr der GVO-Stäube in Boden, Wasser und Luft aufmerksam. Provokant sagen die Tofuspezialisten, dass ihre Produkte nicht zu 100 Prozent gentechnikfrei sind. Warum, erläutert Stefan Hauck, der Leiter Geschäftsbereich Forschung und Entwicklung, im Interview mit BioMarkt.


BioMarkt: Sojaprodukte von Taifun sind garantiert 99,9% gentechnikfrei. Warum nicht 100 Prozent?
Weil das nicht der Realität entspräche. Fakt ist: Spuren von Gentechnik sind inzwischen weltweit verbreitet und lassen sich nicht mehr ausschließen. In Form von Stäuben verunreinigen sie sowohl konventionelle wie biologische Sojaprodukte, selbst wenn diese mit dem Zusatz „ohne Gentechnik“ gekennzeichnet sind. Wir waren die Ersten im Markt, die diese Tatsache ausgesprochen und diesen Zusatz von den Packungen genommen haben. Und zwar durchaus in provokanter Absicht: Gerade weil Taifun sich für eine höchstmögliche Gentechnikfreiheit engagiert. Mehr dazu findet man übrigens im Netz unter www.taifun-gegen-gentechnik.de


Taifun%20SojaanbauAber wieso gerade 99,9%?
Vom Züchter über die eigene Bio-Vermehrung bis zur Anlieferung in unserer Tofurei haben wir unsere Sojabohnen im Blick. Wir führen auf allen Stufen der Produktion aufwändige Gentechnik-Kontrollen durch. Zusätzlich dazu waschen wir Transportcontainer, Mühlen und die Sojabohnen vor der Verarbeitung, um anhaftende GVO-Stäube* zu entfernen. Das von uns beauftragte renommierte Prüflabor Biochem aus Karlsruhe analysiert jede Liefereinheit mittels PCR-Technik – das steht für Poly Chain Reaction – und bestätigt in der Regel eine Verunreinigung von unter 0,01%. Realistisch gesehen, müsste unsere Garantie also eigentlich „zu 99,99% gentechnikfrei“ heißen! Mit diesem Wert liegen wir weit unter den vom Gesetzgeber zugelassenen 0,7 %, ab denen ein Hersteller seine GVO-Produkte nicht deklarieren muss. Dieser Wert ist unserer Meinung nach viel zu lasch! Mitnichten geeignet, dem Vormarsch von gentechnisch verändertem Soja Einhalt zu bieten. *GVO = genveränderte Organismen.


Woher kommen Ihre Sojabohnen?
Gut über 75% unseres Bedarfs beziehen wir aus eigenen Anbauprojekten in Deutschland, Frankreich und Österreich – also aus Europa. Die restlichen Sojabohnen importieren wir aus Kanada, die Sojabohnen für den Seidentofu stammen von einem dort ansässigen Demeter-Betrieb.


Taifun verarbeitet nicht nur Sojabohnen, sondern kümmert sich auch um das Saatgut und hat die Zulassung von vier Sojasorten in Deutschland durchgesetzt. Wozu die Mühe?
Als Ende der 90er Jahre die ersten gentechnisch veränderten Sojabohnen in Amerika angebaut wurden, haben wir intensiv die Zusammenarbeit mit Vertragsbauern und Züchtern aufgenommen. Unser Ziel war es, eine an das mitteleuropäische Klima hervorragend angepasste Sojabohne zu erhalten, die mit einem Proteingehalt von 44 bis 45% die Voraussetzung für eine optimale Tofuqualität bietet. Im März 2005 erhielten wir schließlich von der Bundesanstalt für Landwirtschaft die Zulassung für vier hochqualitative Sojasorten, welche wir gemeinsam mit unseren Züchtern entwickelt hatten. Mittlerweile können wir auf eine 15jährige erfolgreiche Zusammenarbeit zurückblicken.


Was bedeutet für Taifun der Begriff „Nachhaltigkeit“?
Taifun hat ein Umweltmanagement-System nach der Norm ISO 14000ff eingeführt. Das umfasst einen umfangreichen Maßnahmenkatalog, der von unseren Produktionsbedingungen bis zum Verhalten der Mitarbeiter alles im Sinne einer positiven Umweltbilanz durchleuchtet und optimiert. In regelmäßigen Audits wird unsere Umweltbilanz auf Verbesserungspotenzial hin überprüft.


Woher stammt Ihr Strom?
Zu 100 Prozent aus Wasserkraft.


Die Tofuherstellung verschlingt sicher viel Wasser. Wie sieht hier Ihre Bilanz aus?
Da sind wir ein wenig stolz, dass wir gemäß der ISO Norm im Jahr 2011 bei beiden Wasserkennzahlen, bei 1 und 2, den Verbrauch im Vergleich zum Vorjahr senken konnten. Bei der Gesamtenergie haben wir knapp 49% weniger Kilowattstunden verbraucht.


Haben Sie schon mal einen CO2 Fußabdruck rechnen lassen?
Nicht, was die Gesamtproduktion betrifft. Aber wir haben in einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit der technischen Universität München einen CO2-Fußabdruck unserer Tofu „Wiener“ im Vergleich zu „Wiener“ Würstchen aus Schweine- oder Kalbfleisch machen lassen. Ergebnis: Die Produktion unserer „Wiener“ führte zum einem CO2-Fußabdruck von 800 Gramm pro Kilo. Bei der Fleischvariante war es das Zehnfache!


Haben Sie auch die gesundheitlichen Aspekte verglichen?
Klar, dabei waren die Ergebnisse noch interessanter. Warum? Die Versorgung mit Protein tierischen Ursprungs und pflanzlichen Ursprungs ist ernährungsphysiologisch für den menschlichen Organismus absolut vergleichbar. Unsere „Wiener Würstchen“ sind fleischhaltigen „Wienern“ sogar überlegen, weil sie weniger Fett und mehr ungesättigte Fettsäuren enthalten. Die Münchner haben zudem bestätigt, dass in unseren „Wienern“ alle Aminosäuren perfekt ausbalanciert sind. Das basiert auf dem Anteil Hafer, der in ihnen enthalten sind. Aminosäuren aus Soja und aus Getreide versorgen den menschlichen Körper ernährungsphysiologisch optimal.


Man muss es nur wissen?
Das Bewusstsein, dass eine fleischlose Ernährungen nicht nur für den Einzelnen, sondern für den ganzen Planeten von Vorteil ist, setzt sich mehr und mehr durch. Aus einem Kilo Sojabohnen gewinnt Taifun fast zwei Kilo Tofu. Wird die gleiche Menge an ein Huhn verfüttert, brächte es gerade mal 100 Gramm mehr Fleisch auf die Waage bringen. Was für eine Vergeudung!


Eine leckere Taifun-Spezialität ist der Seidentofu. Was unterscheidet ihn von anderen Tofu-Arten?
Die Herstellung und die glatte Konsistenz. Im Gegensatz zum festeren Tofu wird bei der Herstellung von Seidentofu keine Molke entzogen. Es findet also kein Konzentrierungsprozess statt. Das Ergebnis ist ein glatter, geschmeidiger Sojaquark, der sehr viel weicher als ”herkömmlicher“ Tofu ist.


Was macht man aus Seidentofu?
Seidentofu ist eine vielfältig verwendbare Zutat für die heiße und kalte Küche. Er lässt sich für Dips, Dressings, Suppen, Saucen und Brotaufstriche verwenden und eignet sich als Backzutat ebenso wie als Mixpartner für Fruchtpürrees. Überall, wo man Quark oder Joghurt einsetzen möchte, kann man alternativ Seidentofu nehmen – für cremige Süßspeisen zum Beispiel oder leckere Shakes.


Kann man Seidentofu auch braten?
Jein. Spitzenköche in Japan beherrschen die Kunst, Seidentofu in Würfel zu schneiden, diese in Stärke - meist Pfeilwurzelmehl oder Maniok – behutsam zu wenden und zu braten. So entsteht für den Gaumen eine sehr interessante Suppeneinlage, außen sehr knusprig und innen sehr zart, sehr weich. Man braucht allerdings viel Fingerspitzengefühl, damit das gelingt. Anfängern würde ich abraten.


Zum Abschluss – wie mögen Sie Seidentofu am liebsten?
Ich liebe ihn auf Eis, wie er in Japan genossen wird – im Hiya-jakko-Style. Getunkt in Shoyu Sojasoße, mit etwas Frühlingszwiebeln oder Lauchringen, Rettich und frischem Ingwer bestreut.



Unser Rezepttipp:
Veganes Blaubeer-Cassis-Lassi

Zutaten:
400 g Seidentofu
400 g tiefgekühlte Blaubeeren
0,4 l Wasser
60 ml Schwarzer Johannisbeersirup (Cassislikör)
3 EL Zitronensaft
3 EL Rohrzucker
Prise Salz

Zubereitung:
Tiefgefrorene Blaubeeren mit Seidentofu, Wasser, Sirup, Zitronensaft, Zucker und einer Prise Salz in einen Mixer geben. Kräftig pürieren bis alle Beeren gut zerkleinert sind und das Seidentofu-Lassi richtig cremig ist.