Lassen Sie es blühen!

Eine eigene artenreiche Wiese anlegen

Eine eigene Wiese anzulegen, ist nicht schwer und hilft auch schon im Kleinen der Artenvielfalt. Tom Junge von ImmerBunt gibt uns Tipps, was es beim Anlegen der Fläche zu beachten gilt.

Was sollte man beim Anlegen einer eigenen Wiese beachten?
Grundsätzlich ist es so, dass wir einen starken Rückgang an Bestäubern haben. Das heißt: Egal wie groß die Wieso ist, sei es nur 1 qm, dann hilft das schon. Wenn man in seinem Garten ein Eck Blühfläche anlegen möchte, sollte man nach einer sonnigen Stelle, idealerweise mit magerem, sandigem Boden suchen. Wildbienen, Schmetterlinge und andere Arten bevorzugen sonnige Standorte.

Wie genau legt man die Wiese an?

Das Vorgehen beim Anlegen einer Wiese ist ähnlich wie bei Gemüsebeeten. Erstmal muss der Boden vorbereitet werden. Er wird umgegraben, krümelig gehackt und eine ebene Fläche geschaffen. Der wichtigste Aspekt ist dann die gleichmäßige Ausbringung des Saatguts. Der größte Fehler ist dabei, das Saatgut zu dick anzusäen. Hier gilt: Weniger ist mehr. 2-3 g pro m2 reichen in den meisten Fällen schon aus. Sonst setzt sich eine Kultur durch und lässt die anderen Arten nicht mehr durch. Das Saatgut einfach nur einstreuen und leicht andrücken. Am besten ist es, nach der Ansaat 2-3 cm Rasenschnitt auf die Fläche zu legen. So trocknet sie nicht aus. Die Fläche schön feucht halten, bis die ersten Sprießlinge sichtbar werden. Bei gutem Saatgut mit Wildarten dauert der Keimprozess auch mal etwas länger, als bei hochgezüchtetem Saatgut. Hier nicht die Geduld verlieren, sondern einfach abwarten.

Wann sollte die Fläche am besten angelegt werden?

Am besten im Frühjahr nach den Eisheiligen, also sobald die Außentemperatur über 18 °C steigt. Ein Frost dazwischen ist nicht so schlimm, aber es sollte kein dauerhafter Frost mehr auftauchen. Aber auch im Herbst lässt sich die Blühfläche anlegen. Da hat man den Vorteil, dass man evtl. nicht so oft gießen muss.

Was ist beim Saatgut wichtig?

Es sollten mehrjährige Mischungen sein, dann muss man die Fläche nicht jedes Jahr neu anlegen und sie ist auch nach rund 6 Jahren noch artenreich. Wichtig ist auf regional zertifiziertes Saatgut zu achten. Nicht in jeder Region Deutschlands sind die gleichen Arten heimisch, es gibt verschiedene Ursprungsgebiete. Im Internet lässt sich das Gebiet, in dem man zuhause ist, einfach rausfinden.

Und wo gibt es das Saatgut?

Für das regionale Saatgut sind zum Beispiel der NABU oder der BUND gute Anlaufstellen. Die haben meist Aktionen im Frühjahr, bei denen sie in den Geschäftsstellen oft auch kostenlos regionales Saatgut verteilen. Aber auch online kann an das Saatgut bestellen. Von normalen Saatgutmischungen aus dem Baumarkt raten wir ab. Das Ursprungsgebiet und die Nummer sind dann auch auf dem Tütchen aufgedruckt, ein simples DE reicht da aber nicht aus.

Wie wird die Fläche gepflegt?

Das ist ganz unkompliziert: Erstmal sich selbst überlassen. Bitte auch keinen Dünger verwenden, da Blühkulturen Magerstandorte lieben. Über den Sommer braucht die Fläche keine Pflege. Im Herbst am besten stehen lassen, denn viele Arten überwintern in den Stängeln der Blumen. Wer will, kann die Stängel oben etwas anschneiden, um eine Öffnung zu schaffen. Die richtige Pflege findet dann erst wieder im Frühjahr statt, sobald es draußen über 18°C hat und die Larven schlüpfen. Dann kann man die ganze Fläche auf 15 cm stutzen. Den Grünschnitt aber im Freien kompostieren lassen, so dass auch noch Nachzügler-Larven schlüpfen können.

Gibt es noch Alternativen zur Blühwiese, die man daheim anlegen kann?

Alternativ kann man zum Beispiel auch ein Staudenbeet anlegen. Das geht vor allem auch, wenn der Boden nicht mager ist. Am besten auch hier direkt in der regionalen Gärtnerei nachfragen. Wir hören oft von dem Fehler, dass Leute im Baumarkt eine Pflanze mit einer super knalligen Farbe kaufen und denken, dass sie jetzt etwas für die Bienen gemacht haben. Aber das ist oft nicht der Fall. Am besten auch in der Gartenabteilung beobachten, an welchen Pflanzen die meisten Bienen interessiert sind. Das ist meist ein gutes Indiz. Sehr weit gezüchtete Pflanzen haben oft eine geringe Menge an Pollen und Nektar. Übrigens sind vielfältige Blühwiesen vor allem für Wildbienen wichtig. Die Honigbiene findet fast überall Nahrung, aber die Wildbienen sind sehr gefährdet und viel spezialisierter.

Beim Sammeln von Wildpflanzen von der Wiese für die Küche, worauf sollte da geachtet werden?

Wenn man sich nicht sicher ist, was für eine Pflanze es ist, sollte man sie lieber stehen lassen. Da können auch Apps helfen oder man macht mal bei einer Kräuterführung, zum Beispiel beim NABU, mit. Außerdem ist es ratsam sich ein wenig von Straßen und Wegrändern fernzuhalten, da hier der Verschmutzungsdruck, sei es durch Hunde, Streusalz oder Gummiabrieb, höher ist. Wer Landwirt*innen in der Nähe hat, kann auch dort einfach nachfragen, ob man auf einer Wiese sammeln darf – natürlich ist es auch hier wichtig auf Bio zu achten. Die Landwirt*innen wissen meist ganz genau, wo ihre artenreichen Wiesen sind. Meistens sind das Flächen, auf denen eine hohe Sonneneinstrahlung stattfindet.

Wer ist ImmerBunt?

ImmerBunt will Natur- und Artenschutz attraktiver machen. Und zwar mit Blühwiesen. Zusammen mit Partnern – insbesondere Firmen, die sich als Blühwiesenpaten engagieren – legt das Unternehmen aus Oldenburg artenreiche Wiesen mit regionalem Saatgut an. Aber auch andere Umweltschutz-Projekte setzt ImmerBunt um.

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