
Denns BioMärkte sind schöne Orte.
Ein Interview mit dem Laden-Gestalter Stefan Arthur Franz.
Was macht einen Ort schön? Oft ist es das Zusammenspiel vieler Details. Wer einen Denns BioMarkt betritt, fühlt sich schnell wohl und findet sich leicht zurecht. Dass dieser Eindruck entsteht, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis sorgfältiger Planung.
Ob neuer Markt oder ein Umbau: Bei Stefan Arthur Franz laufen die Fäden für das Design aller BioMärkte zusammen. Der studierte Bauingenieur und gelernte Zimmerer entwirft bei dennree die Konzepte für den Ladenbau. Sein tägliches Brot sind Fragen zum Zusammenspiel von Funktion, Gestaltung und Atmosphäre. Im Gespräch mit Christine aus dem KREO-Team erzählt er, warum gute Gestaltung oft unsichtbar bleibt, weshalb ein Denns BioMarkt ganz natürlich nach BioMarkt riecht und warum jeder neue Markt für ihn ein Unikat ist.
Stefan, was genau machst du bei dennree?
Auf meiner Visitenkarte steht Konzeptentwicklung und Ladenplanung. Das klingt erst einmal sehr technisch, bedeutet aber im Grunde: Alles, was unsere Kundinnen und Kunden später im Markt sehen, ist irgendwann einmal über meinen Schreibtisch gegangen. Ob Fliesen, Beleuchtung, Kühlmöbel oder die gesamte Raumaufteilung – ich begleite die konzeptionelle Planung. Natürlich entsteht das alles im Team, aber am Ende laufen die verschiedenen Fäden bei mir zusammen.
Wann ist ein Markt für dich gelungen – also aus Sicht eines Gestalters?
Für mich ist ein Markt dann gelungen, wenn sich Kundinnen und Kunden ganz intuitiv zurechtfinden. Jeder Markt hat andere Voraussetzungen – unterschiedliche Größen, Grundrisse oder zusätzliche Bereiche wie eine Bäckerei. Trotzdem sollte man sich überall sofort orientieren können. Wenn man den Einkaufsweg ganz selbstverständlich durchläuft, ohne suchen zu müssen, dann haben wir unser Ziel erreicht.
Wenn du einen Markt gestaltest: Woran denkst du zuerst, an Funktion oder Emotion?
Zunächst steht immer die Funktion im Mittelpunkt. Wir entwickeln zuerst den Ablauf im Markt: Wo liegt welche Abteilung? Wie bewegen sich die Kundinnen und Kunden durch den Laden? Erst wenn diese Struktur steht, kommen Materialien, Farben, Licht und Oberflächen dazu. Die emotionale Wirkung entsteht also Schritt für Schritt auf einer funktionierenden Grundlage.

Welche Rolle spielen dabei Licht, Farben und Materialien?
Eigentlich spielt jedes einzelne Element eine Rolle: vom Bodenbelag über Wandfarben bis hin zur Beleuchtung. All diese Dinge werden größtenteils unbewusst wahrgenommen. Wenn Kundinnen und Kunden den Markt verlassen und sich wohlgefühlt haben, aber gar nicht mehr genau sagen können, welche Farbe der Boden hatte oder welche Lampen installiert waren, dann haben wir vieles richtig gemacht. Denn im Mittelpunkt sollen immer die Produkte stehen und nicht die Einrichtung.
Gibt es in den Denns BioMärkten besondere Gestaltungselemente, die nur dort zu finden sind?
Das sind unsere Holzkisten, die überall im Laden eingesetzt werden. Sie dienen quasi als Verkaufsträger und ersetzen beispielsweise klassische Körbe. Die Kisten haben wir tatsächlich schon vor über 20 Jahren angeschafft –mit dem Ziel, sie flexibel und vielseitig im gesamten Laden einzusetzen. Heute findet man sie in allen Abteilungen, unter anderem auch als Aktionsträger. Sie werden immer wieder verwendet und sind dadurch ein fester Bestandteil unseres Ladenkonzepts.
Viele Kund*innen sprechen vom typischen „BioMarkt-Geruch“. Ist das geplant?
Nein – und das ist auch gut so. Wir setzen keinerlei Düfte ein. Der Geruch in unseren Märkten entsteht ganz natürlich durch die Produkte. Im Eingangsbereich, wo Kundinnen und Kunden die Obst- und Gemüseabteilung finden, duftet es je nach Jahreszeit verschieden: im Sommer nach Beeren, Pfirsichen, Melonen und Tomaten; im Herbst nach Roter Bete, Kartoffeln, Zwiebeln und Kürbissen. Dass unsere Märkte nach über 20 Jahren immer noch diesen natürlichen Charakter vermitteln, empfinde ich als großes Kompliment. Es zeigt, dass wir trotz moderner Märkte die Atmosphäre eines klassischen BioMarkts bewahren konnten.
Gibt es zur Gestaltung der Märkte auch Rückmeldungen von Kund*innnen, die deine Arbeit beeinflussen?
Auf jeden Fall. Sie melden sich dann, wenn beispielsweise Abläufe nicht optimal funktionieren oder etwas unpraktisch ist. Natürlich setzen wir nicht jede einzelne Anregung sofort um, aber wir nehmen diese Hinweise ernst. Sie helfen uns dabei, unsere Konzepte kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Spielt der Zeitgeist bei deiner Arbeit eine große Rolle?
Die Holzmodule sind vielseitig einsetzbar. Ein Stück weit schon, allerdings deutlich weniger als in vielen anderen Branchen. Im Lebensmittelhandel stehen Beständigkeit und Alltagstauglichkeit im Vordergrund. Trends beeinflussen uns eher bei Materialien, Farben oder Oberflächen, während die grundsätzlichen Konzepte über viele Jahre funktionieren müssen.
Wo holst du dir Inspirationen?
Überall. Ich kann durch keine Stadt laufen, ohne mir Supermärkte oder andere Geschäfte anzusehen. Mich interessiert, wie andere Branchen mit Materialien, Licht oder Raumgestaltung umgehen. Außerdem tausche ich mich regelmäßig mit Kolleginnen und Kollegen aus den Fachgebieten Architektur, Ladenbau und Planung aus und verfolge Fachzeitschriften sowie neue Projekte aus dem Handel.
Kannst du überhaupt noch als „normaler“ Kunde durch einen Laden gehen?
Wahrscheinlich nicht ganz. Ich schaue automatisch auf Möbel, Materialien und Raumkonzepte. Da hole ich mir Ideen – natürlich nur mit den Augen (lacht). Es geht also weniger ums Bewerten als darum, Anregungen für die eigene Arbeit zu sammeln.
Worauf bist du in deiner bisherigen Arbeit besonders stolz?
Auf unsere individuellen Lösungen für ganz unterschiedliche Ladenflächen, also vom kleinen BioMarkt mit 200 Quadratmetern bis zum großen Markt mit 1.000 Quadratmetern, die wir entwickeln. Jeder Standort hat seine eigenen Herausforderungen. Aus jedem Grundriss das Beste herauszuholen und dabei einen stimmigen, funktionalen Markt zu schaffen, das macht für mich den Reiz meiner Arbeit aus.
Was bedeutet Schönheit für dich persönlich?
Schönheit ist für mich etwas sehr Subjektives. Ich würde gar nicht zwischen „schön“ und „hässlich“ unterscheiden. Für mich ist etwas dann schön, wenn es harmonisch wirkt und nicht auffällt. Meistens bemerkt man eher, wenn etwas nicht stimmt, wenn Proportionen oder Abläufe nicht passen. Wenn alles stimmig ist, nimmt man das eher unbewusst wahr. Genau das empfinde ich als Schönheit.
Bildnachweis: Bei den Bildern handelt es sich um einen Auszug aus der Printausgabe.
dennree, Adobe Stock/Alena creator (Hand mit Handy)