Wein des Monats
Marabelle Montepulciano d'Abruzzo
- Abruzzen, Italien
- Himbeeren, Lorbeer, Schwarzkirsche
- spätsommerlich, fruchtreich, warm
- Würzige Salami, Grillgemüse-Spieß mit Teriyaki-Sauce, Kohlrabi mit Linsengemüse
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Unser Wein des Monats stammt aus Italien, genauer gesagt aus den Abruzzen, dem Gebirgsland in der Mitte des Stiefels. Die Marabelle ist ein kraftvoll-kräuterig-fruchtiger Rotwein, und all das liegt an der lokalen Rebsorte namens Montepulciano. Zwar hat diese Namensgebung die Toskaner aus der echten Stadt Montepulciano lange aufgeregt, aber ebenso aufregend sind mittlerweile die Weine aus den Bergen. Unser Exemplar zeigt sich mit ein bisschen Luft zunehmend geschmeidig und auch nicht knochentrocken. Das wiederum bringt Freund:innen der Küchenkontraste auf den Plan. Würze passt nämlich ausgezeichnet dazu, sei es in Form einer Salami mit Peperoncini oder als mexikanische Mole mit dunkler Schokolade und Chili zum Reis. Absoluter Geheimtipp: Döner Kebab, kennt kaum jemand, passt aber großartig!
Wein des Monats Oktober - Marabelle Montepulciano d'Abruzzo
"Montepulciano d'Abruzzo" - Gibt es etwas, das noch italienischer klingt? Raue Bergwelt, kleine Dörfer und verwinkelte Städtchen, umgeben von Olivenbäumen und Weingärten. Abends dann das große Stelldichein auf der Piazza, die Osteria unter Ranken, danach noch ein Espresso. Ein Glück, dass wir dieses wunderbare Stück Dolce Vita als unseren Wein des Monats Oktober im Angebot haben! Da gibt es nur ein kleines Wölkchen am Horizont der Euphorie: Der Berg im Hintergrund der Reben heißt gar nicht Montepulciano, sondern Maiella. Und die Toskaner haben sich jahrzehntelang ziemlich aufgeregt über die "betrügerischen Abruzzesen".
Was ist ein Montepulciano d'Abruzzo?
Vielleicht kennt ihr den roten "Vino Nobile di Montepulciano", der aus der Stadt Montepulciano in der Toskana kommt. Seinen Namen erhielt er im 16. Jahrhundert, als der aus Montepulciano stammende Papst Paul III. sich diesen edlen Wein reservieren ließ. Der Vino Nobile wird allerdings aus der Rebsorte Sangiovese hergestellt. Und los geht das Verwechslungsspiel. Ein Archivar des damaligen Königs trank im Jahr 1792 einen schmackhaften Roten in den Abruzzen und meinte, das müsse doch "der Montepulciano" sein. Die Bauern der Umgebung nahmen das natürlich gern auf. Tatsächlich aber stellte sich heraus, dass dieser "neue Montepulciano" eine völlig andere Rebsorte ist als jene des Vino Nobile. Sei's drum, dachten sich die Abruzzesen, nennen wir einfach unsere Rebsorte ab jetzt Montepulciano, auch wenn sie gar nichts mit der toskanischen Stadt zu tun hat.
Die Toskaner waren natürlich wenig erfreut. Noch schlimmer allerdings wurde es im 20. Jahrhundert. Da ließen sich nämlich die Abruzzeser den "Montepulciano d'Abruzzo" nicht etwa als Rebsorte, sondern als Wein mit einer geschützten Herkunftsbezeichnung eintragen. Und vor gut zehn Jahren planten unsere wackeren Abruzzenwinzer sogar, den Zusatz "d'Abruzzo" eventuell ganz wegzulassen. Zwar gelang das rechtlich nicht ganz, führte aber dazu, dass die Toskaner wiederum bei ihrem "echten" Wein aus der Stadt Montepulciano das Wort "NOBILE" jetzt riesengroß aufs Etikett drucken lassen. Fortsetzung nicht ausgeschlossen...
So schmeckt der Marabelle-Wein
Nun mag man sich fragen, warum dieser seltsame Namensstreit? Ein Wiener Schnitzel schmeckt ja auch, wenn es nicht aus Wien stammt. Im Hintergrund schwang allerdings mit, dass die Toskana seit jeher die noble und wohlhabende Region war und man eine Verbindung mit den Bauern aus den Abruzzen-Bergen und ihrem krautigen Wein absolut vermeiden wollte. Der Montepulciano als Rebsorte hat allerdings in letzter Zeit gewaltig aufgeholt. So stellt der Winzer Francesco Valentini einen Montepulciano d'Abruzzo her, der einen absoluten Kultstatus besitzt und oft für mehr als 300 € verkauft wird.
Für dasselbe Geld könntet ihr unseren Wein des Monats kartonweise erstehen, womit wir elegant die Kurve zur Marabelle geschafft hätten. Marabelle ist übrigens der umgangssprachliche Name für die auf dem Etikett abgebildete Elster. Wenn ihr den Wein kauft, könnt ihr an der Seite noch eine weitere Geschichte lesen, weshalb Winzer Nico Ciavalini den Wein so genannt hat. Aus Suspense-Gründen belassen wir es mal bei diesem Hinweis.
Genauso interessant wie der Hintergrund ist nämlich der Geschmack unseres Weins des Monats. Die berühmte kräuterige Ton zeigt sich bei der Marabelle auch sofort nach dem Öffnen. Für mich hat das etwas von Lorbeer und getrockneten Bergkräutern. Jedenfalls kommt auf diese Weise ein gewisser Kontrapunkt hinein zur ansonsten ultrageschmeidigen Frucht des Weins. Bei jener spürt man nämlich die samtige Reife, ganz staubtrocken geht es auch nicht zu, und Himbeere und Schwarzkirsche erzählen von den Weinfeldern am Fuß der Berge.
Was passt zu unserem Wein des Monats?
Wenn man einen solchen Wein probiert, jedenfalls geht es mir so, lässt man sich oft tragen in die Region, aus der er stammt. Da unser fruchtiger und kräuteriger Roter nicht komplett trocken ist, passt von den lokalen Spezialitäten am besten etwas, das ein bisschen mehr Würze mitbringt. Süße und Schärfe sind oft gute Kombinationen, wenn man es nicht zu extrem treibt. Und der Marabelle hat ja nur ein bisschen mehr Frucht, da muss es also keine panierte Chilischote sein. Ultraklassisch und gleichzeitig ultralokal wären zum Beispiel solche Speisen wie die "Salsicciotto frentano", eine in der Provinz Chieti schon seit Jahrhunderten bekannte Art Salami, die feinsäuerlich und pfefferwürzig schmeckt. Oder aber die Annoia, eine gekochte Wurst, die mit Peperoncinis, Fenchelsamen, Knoblauch und Orangenschale verfeinert wird. Da haben wir dann auch wieder die Kombination aus Würze und feiner Süße.
Es gibt aber - die modernen Leser:innen werden es mir danken - nicht nur solch traditionell-urtümliche Begleitmöglichkeiten. Sehr gut möglich ist zum Beispiel die mexikanische Richtung mit einer Mole aus dunkler Schokolade, ein bisschen Kaffee und Ají Amarillo Chili. Dazu passen zum Beispiel frittierte Kochbananen. Auch die japanische Variante mit Teriyaki-Sauce zu Fleisch- oder Grillgemüse-Spießen funktioniert hervorragend. Und schließlich noch eine überraschende Kombi aus gebackenem Kohlrabi, Linsengemüse, Sternanis und süßem Paprikapulver. Ich muss allerdings zugeben, dass ich auch viel Freude an der Weinbegleitung zu dieser noch weitgehend unbekannten Edelspeise hatte: Sie nennt sich Döner Kebab. Und damit buon appetito!