Mezzogiorno Nero di Troia
Mezzogiorno Nero di Troia
- Apulien, Italien
- Waldbeeren, Salbei, Sonne
- warm, brombeerig, leicht wild
- Wildpastete, Cassoulet, Grünkohl
0,75 l (1 l = 5,99)
Unser Wein des Monats Januar stammt nicht wirklich aus dem historischen Troja der alten Griechen, sondern aus der Nähe des Ortes Troia in Süditalien. »Nero di Troia«, also der Schwarze aus Troia, heißt die Rebsorte. Der zugehörige Wein besitzt dann auch die Fähigkeit, trübe Tage im Winter mit seiner sonnigen Beerenfrucht aufzuhellen. Wie praktisch alle italienischen Weine mag auch unser Wein des Monats die Speisenbegleitung besonders. In diesem Fall gern herzhaft. Klassisch wären Wildpastete oder Ochsenschwanzragout, aber winterliche Gemüse mit intensivem Geschmack wie Grünkohl vertragen sich auch wunderbar mit dem kraftvollen Roten. Ähnlich verhält es sich mit einem viel zu seltenen Gast in unserer Küche: Eintopf aus weißen Bohnen, lange geschmort. Wer mitkommen will ins Fusion-Land, darf als Würze auch ein wenig Gochujang in den Topf geben. Das begeistert griechische Götter ebenso wie koreanische!
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Die Tage werden wieder länger, auch wenn das vielleicht noch nicht ganz den Anschein hat. In der Natur, tief im Boden und in den Stämmen und Zweigen, regt sich aber schon sehr bald etwas. Deshalb sind die Winzer:innen auch jetzt schon draußen unterwegs, um den Rebschnitt zu machen, bevor zu viel Saft in die Triebe steigt. Diese Gedanken muss man sich bei unserem Wein des Monats nicht mehr machen, denn der ist ja schon seit einer ganzen Weile fertig in der Flasche. Es handelt sich um einen süditalienischen Roten mit dem etwas rätselhaften Namen »Nero di Troia«...
Was soll das sein, ein »Nero di Troia«?
Nero, das weiß ich noch aus der Schule, war der römische Kaiser, bei dem so einiges schief gelaufen ist. Freundlich ausgedrückt. Und Troja, da fällt mir natürlich das trojanische Pferd ein, der große Trick der alten Griechen. Tatsächlich stammt der Nero di Troia aus einer Region, in der sowohl die Griechen als auch die Römer schon aktiv waren. Und doch hat sein Name weder mit den einen noch mit den anderen etwas zu tun.
»Nero di Troia« ist nämlich der Name der Rebsorte. »Nero«, also schwarz, weil es sich um eine sehr dunkelbeerige Sorte handelt, die entsprechend kräftig gefärbte Rotweine hervorbringt. Und bei Troia konnte man viele Jahren in Weinlexika lesen, dass die Rebsorte möglicherweise aus Kleinasien stammt. Denn dort in der heutigen Türkei befand sich ja das historische Troja. Möglicherweise ist es aber wesentlich profaner, denn in der Nähe der apulischen Provinzhauptstadt Foggia gibt es ein Dorf, das ebenfalls Troia heißt. Der stolze Rote, letztlich doch nur ein Dorfwein aus Apulien? Nun, genau weiß man es immer noch nicht, denn das Troia bei Foggia soll ausgerechnet vom Griechen Diomedes gegründet worden sein. Und dieser Diomedes wiederum war doch ausgerechnet einer jener Helden, die im trojanischen Pferd steckten und die Eroberung von Troja erst ermöglichten.
Wie so oft also sind beim Wein Dichtung und Wahrheit und alles andere dazwischen eng beieinander.
Wie schmeckt unser Wein des Monats?
Kommen wir also zu dem, was wir wirklich beschreiben können, und das ist der Wein selbst. Interessanterweise gibt es allerdings auch da eine gewisse Bandbreite. Weinprofis können zwar einigermaßen erschmecken, woher ein Wein stammen mag und welche Aromen ihn ausmachen. Aber im Detail sind die Beschreibungen doch immer ebenso unterschiedlich wie die Beurteilung. Denn jeder Mensch hat seine ganz eigene »Geschmacksflora«, so individuell wie Blätter auf dem Baum und Grashalme im Wind. Der Wunsch der Natur nach größtmöglicher Vielfalt macht nun einmal vor uns selbst auch nicht halt.
Ich also schmecke in unserem Wein des Monats eine fast süße Beerenfrucht an der Zungenspitze, die aber (so kann man sich nämlich täuschen) gar nicht vom Zucker im Wein stammt. Jener ist nämlich vollkommen trocken, und diese süße Schmeichelei stammt eher vom natürlicherweise enthaltenen Glycerin. Das besitzen übrigens alle Weine, reife rote Weine aber in höherer Konzentration als schlanke weiße.
Reif und rot ist ein gutes Stichwort, denn der »Nero di Troia« breitet sich warm und wohlig im Mund aus. Einen kleinen wilden Touch gibt es auch, aber das macht ihn umso sympathischer. Ganz klar: Hier gibt es viel südlichen Rotwein in zertifizierter Bio-Qualität für ziemlich kleines Geld.
Trinken und Essen
Die allermeisten italienischen Weine sind so gedacht, dass sie noch besser zu einem Essen harmonieren als solo im Römerschöppchen. Was passt also zu unserem Januar-Wein? Bleiben wir erstmal bei den ganz klassischen Empfehlungen. Da wären zum Beispiel Wildpastete mit schwarzen Walnüssen, Ochsenschwanzragout oder - als rheinische Variante - Blutwurst mit karamellisierten Apfelspalten. Ich nehme zwar an, dass solche Gerichte nicht wirklich auf eurem täglichen Speiseplan stehen (bei mir zumindest nicht), aber das gibt ganz gut die Richtung vor, in die es gehen könnte.
Herzhaftes, sprich Umami-Reiches, passt also definitiv gut, denn die Power des Weins und seine beerige Würze wollen ein bisschen Gegengewicht haben. Walnussbrot als Begleitung kalter Gerichte bietet sich beispielsweise an. Aber auch im winterlich-gemüsigen Universum gibt es etwas zu finden. Grünkohl beispielsweise, auch Rosenkohl, dazu gebratene Polenta. Mein persönlicher Favorit aber sind Eintöpfe nach Art eines Cassoulet, also lange gekochte weiße Bohnen, zusammen geschmort mit wahlweise Fleisch oder Gemüse wie Tomaten. Das wird heutzutage selten gemacht, weil man die Hülsenfrüchte davor eine Nacht einlegen muss, aber im Biomarkt gibt es eine tolle Auswahl davon.
Ich muss zugeben, dass ich solche Geschmäcker als Kind überhaupt nicht gern mochte. Als Erwachsener hingegen habe ich das zunehmend lieben gelernt. Wer es ein bisschen würziger mag, kann das Ganze auch mit Gochujang aufpeppen, einer fermentierten koreanischen Chilipaste, die es in den unterschiedlichsten Qualitäten und Schärfegraden gibt. In jedem Fall wird euch der Schwarze aus Troia nicht hängen lassen und seinen sonnig-südlichen Charme verbreiten. Versprochen.